3 – Eiserner Vorhang

Im Sommer 1948 schlossen sich der Grenzübergangsorganisation auch die Klattauer Junák-Mitglieder an. Sie erbauten, nach dem Modell von Sommer 1947, in Kooperation mit dem Prager Zentrum im Juni im Böhmerwald mehrere Lager, von welchen die Pfadfinder in den Wald losgingen, um die Heidelbeeren und weitere Waldbeeren zur Unterstützung der Republikwirtschaft, zu sammeln. Das Kommando wurde im Šerlùv-Hof in der Nähe von Prášili erbaut und in seiner Umgebung wuchsen dann zwanzig Lager Im ganzen Böhmerwald erbauten die Pfadfinder insgesamt 68 Lager, durch welche mehr als 1500 Mithelfer kamen. Die SNB-Angehörigen, welche in der Zeit die Grenzwache übernahmen, mochten die Pfadfinderstützkette nicht, die häufig in der unmittelbaren Nähe bei der Grenze standen. Die Klattauer Pfadfinder erbauten auf dem Weg zu Markt Eisenstein fünf Lager, deren Platzierung wie folgt aussah: Lipplova-Sägewerk, Neuer Brunst, Alter Brunst, Gerlova-Hüttenwerk und Nová Hùrka. Sie bereiteten so eine Navigationskette der Anhaltspunkte für Emigranten vor. Alle Personen die ins Ausland fuhren, wurden vor dem Weg informiert, dass im Falle des SNB-Grenzwacheanhaltens, sie sich auf den Besuch ihrer „Kinder“ in einem der genannten Lager oder Verwandten und Bekannten der führenden Personen in diesen Stützpunkten berufen sollten. Durch den beschriebenen Weg flüchtete am 22. August 1948 Professor Bohumil Èerný aus Prag nach Bayern, der Gründer der illegalen gesamtstaatlichen Organisation „Schwarzer Löwe“. Die Menschen, die diesen Waldfluchtkanal benutzten, werden auf 80 Personen geschätzt. Ende September 1948 entdeckte StB diesen Weg. Manchen Mitgliedern vom Klattauer „Junák“ gelang es am 20. September ins Exil zu flüchten.

Die Zahl der aufgehaltenen Personen wurde immer größer. Manchen gelang es über die Grenze zu flüchten (z. B. am 2. Dezember 1948 verschwand der angestellte MNV Klattau Antonín Šplíchal und der Markt Eisensteiner Pfarrer Pater Josef Peksa. Die Jugendgerichte, die am 8. Juni 1949 endeten, waren zu Anfang ungewöhnlich mild – drei bis zehn Monate lang. Die Junák-Mitglieder, die unentdeckt blieben, machten mit der Tätigkeit weiter. Sie konzentrierten sich auf die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Nachrichtendienst CIC. Die Depeschen in Form von verschlüsselten Briefen fuhren die Eisenbahnfahrer Karel Baštáø und Václav Ripla über die Grenze . Sie fuhren regelmäßig zum Grenzbahnhof Markt Eisenstein – Alžbìtín. Einer der Klattauer Pfadfinder, Student Karel Dušek, versagte und schloss sich mit der StB zusammen. In der Zwischenzeit verbüßten manche Verurteilten ihre Strafen im Gefängnis und wollten sich erneut dem Widerstand anschliessen, doch die Situation war diesmal komplizierter. Deswegen entschieden sie sich nach Bayern zu emigrieren. Der ursprüngliche Funktionär Miroslav Kubát aus Skelná Hu bei Nýrsko wurde in manchen Fällen zum Menschenschmuggler. Er nutzte die Übergangswege bei Zadní Chalupy und Špièák. Doch die StB-Agenten von den Flüchtlingslagern in Deutschland wiesen auf ihn hin und so wurde er verhaftet. Nach seiner Sicherung überzeugte StB auch ihn zur Kollaboration und er wurde zum Agenten unter dem Decknamen Míra. Miroslav Kubát in Zusammenarbeit mit zwei weiteren StB-Agenten und ursprünglichen Pfadfindern Dušan Gregor und Karel Loula halfen ihren Brotherren den neu-entstehenden Pfadfinderstützpunkt zum Menschenschmuggeln über Böhmerwald zum Lipplova-Sägewerk in der Nähe von Javorná zu vernichten. Um die Wende von Frühling zum Sommer 1951 fanden die Verhaftungen statt und diesmal war das Gerichtstribunal gar nicht mild. Die Drohung mit harten Strafen bewog manche weiteren Pfadfinder zur Kollaboration mit StB (z. B. Vladimír Bláha – Drachen). Auf die anderen wartete eine mehrjährige Gefängnisstrafe.

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