1 – Eiserner Vorhang

Die Ereignisse der letzten Februarer Dekade in Prag zwangen mehrere Gegner des neuen Systems zum Nachdenken über ihre weitere Existenz. Die Vertreter der politischen Repräsentation der Ersten Tschechoslowakischen Republik entschieden sich entweder für den Widerstand von außen oder für die Emigration. Markt Eisenstein war in diesem Fall ein ideales Tor nach West-Europa. Das Städtchen gehörte zu beliebten touristischen und Ski-Destination und es führte hierher die Bahn aus Pilsen. Deren Endstation „Markt Eisenstein – Alžbìtín“ liegt direkt an der Staatsgrenze.

Einer der ersten, der hier nach dem 25. Februar 1948 ins Exil flüchtete war der Generalsekretär der Tschechoslowakischen staats-sozialistischen Partei, der Abgeordnete der verfassungsgebenden Nationalversammlung, Professor an der Karls-Universität und vor allem die Legende des nonkommunistischen Widerstandes aus der Zeit des 2. Weltkrieges, nämlich Vladimír Krajina. Gleich nach dem 26. Februar 1948 wurde er durch das Aktionskomitee von der Position des Universitätsleitung verwiesen und daraufhin verhaftet. Nach dem persönlichen Eingriff des Präsidenten Edvard Beneš, bei welchem die Frau des Verhafteten Marie Krajinová (geb. Závodská) intervenierte, wurde er noch am Abend des gleichen Tages freigelassen. Es wurde ihm klar, dass das kommende Regime gegen ihm sehr repressiv vorgehen würde. Deswegen entschied er sich sofort nach Westen zu emigrieren. Er machte sich den Parteiapparat der Staatssozialisten zunutze und mithilfe von Werbern und seinen zwei Schwestern Bohunka und Vlasta brach er am letzten Februarer Tag 1948 nach Markt Eisenstein auf – offiziell um hier die Ski-Sehenswürdigkeiten zu genießen. Am 29. Februar floh er mithilfe der Menschenschmuggler, angeblich auf den Skiern ins bayerische Markt Eisenstein. Über Österreich kamen zu ihm seine Frau Marie mit den Kindern Milena und Vladimír (geboren am 18. Dezember 1947) und seiner Schwiegermutter Marie Závodská nach Bayern. Sie flohen genauso mit der Hilfe der Mitarbeiter der Staatssozialistischen Partei, im August 1948. Alle zusammen emigrierten nach Kanada. Vladimír Krajina wurde vom neuen Regime im September 1948 für den illegalen Grenzübergang, angebliche Kollaboration und Nachrichtentätigkeit für die Feinde der ÈSR in seiner Abwesenheit für 25 Gefängnisjahre verurteilt.

Ein paar Tage später erlebte Markt Eisenstein eine weitere dramatische Flucht eines tschechoslowakischen sehr hohen Vorkriegspolitikers. Es handelte sich um JUDr. Ferdinand Veverka, den Vorkriegsgesandten der ÈSR in Kuba, Österreich, Rumänien, USA und in der Schweiz, den ÈSR-Dauerdelegierten beim Völkerbund. Gleich nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde er aufgrund der Kollaboration mit dem nationalsozialistischen Regime beschuldigt und verhaftet. Wegen des Präsidentsdekrets Nr. 12/1945 wurde ihm sein Vermögen in Dolní Lukavice konfisziert und Anfang November 1946 wurden ihm manche Bürgerrechte entzogen(zum Beispiel wurde ihm die aktive und passive Wahlteilnahme im Stadtrat oder das Zusammenrufen von öffentlichen Versammlungen und die Teilnahme an diesen verboten). Die Staatsverwaltung des Vermögens in Dolní Lukavice wurde aufgelöst, da der dortige Verhaftungs- und Beschuldigungsinitiator von JUDr. Ferdinand Veverka, Josef Parlesák, zeigte sich zum Schluss selber als aktiver Mitarbeiter und Konfident der Klattauer Gestapo. Auch der General Heliodor Píka setzte sich für den Diplomaten ein. Neben den provisorisch entzogenen Bürgerrechten erhielt Ferdinand Veverka für sein Benehmen im März 1939 in Rumänien „nur“ eine Rüge vom Außenministerium der ÈSR (damals nach der Erklärung vom Protektorat Böhmen und Mähren, war er einer der wenigen Diplomaten in den Konsulaten auf der ganzen Welt, der in Bukarest die Schlüssel und alle Dokumente den Deutschen übergab und nach Tschechien zurückkehrte). Nach den Ereignissen am 25. Februar 1948 war diesem weisen Juristen klar, dass die Persekution folgen würde. Am 5. März 1948 machte er sich mit seiner Frau Kornelia, seinem Sohn Ferdinand und seiner Verlobten Jitka Rùžièková auf den Weg nach Markt Eisenstein. Hier kamen sie im Hotel von Václav Øáda unter. Am gleichen Tag erließ das neu-antretende Regime ein Wintersportbetreibungs- und Aufenthaltsverbot in den Rekreationszentren im Grenzgebiet. Es war klar, dass dies die Emigration durch die kommunistischen Ordnungen verhindern sollte. Ferdinand erfuhr von dieser Verordnung vom Hotelbesitzer, der die Aufenthaltsgenehmigung in der Stadt von ihm verlangte. Der ehemalige Diplomat versicherte Vááclav Øád, dass sich alles aufklärt und an der hiesigen Station SNB alles abgemacht wird. Seine potentielle Schwiegertochter wurde von ihm zur Station gesendet, um Informationen zu erhalten. Der Stabswachtmeister Jirásek, der gerade im Dienst war, beharrte auf seinem Standpunkt, dass sie die Stadt verlassen müssten. Jitka Rùžièková versuchte ihn zu überzeugen sie seien hier, damit sich der Gesundheitszustand von Kornélia Veverková, die sich mit Krücken bewegte, verbessere. Es war bereits später Nachmittag und es gab keinen Zug nach Klattau mehr. Der Stabswachtmeister Jirásek stimmte zu, dass die Familie den ersten Frühzug nehme, der von Markt Eisenstein um 10 Uhr wegfährt. Zur Überprüfung ging er ins Hotel, um die Dokumente und Gepäckstücke von allen zu kontrollieren. Nach dem Personalienschreiben verband er sich nach der Rückkehr zur Dienststelle mit der Station SNB in Dolní Lukavice, um alles zu überprüfen. Von dort flog eine Nachricht direkt zum Bezirkstaatskomitee nach Pøestitz, dass die Verhaftung von der ganzen Familie Ferdinand Veverkas unverzüglich durch das Regionalkommando SNB in Klattau durchführen sollte. Doch der Auftrag wurde auf die Markt Eisensteiner Abteilung erst am nächsten Tag vormittags abgesendet und durch diesen glücklichen Zufall erreichte er die Abteilung in der Zeit, wo der Stabswachtmeister Jirásek ins Hotel Øáda kontrollieren ging, um zu sehen, ob die Veverka-Familie den Auftrag erfüllte. Ferdinand Veverka bat den Hotelbesitzer, einen Automobiltransporteur aus der Gegend anzurufen, der die Familie zum nächstliegenden Bahnhof fahren sollte. Er erwähnte dabei den Gesundheitszustand seiner Frau. Václav Øáda stimmte zu. Ein Wagen von Jiøí Štìpán (der übrigens ein Verwandter von ihm war) kam vor das Hotel und Ferdinand Veverka überzeugte ihn, die Familie zum Bahnhof nach Markt Eisenstein-Alžbìtín zu fahren. Als die Familie den Bahnsteig betrat, machte sie sich auf den Weg zum Zaun, der hier an der Staatsgrenze stand. Durch ein Loch krochen sie nach Bayern durch. Dabei sah sie die Wache, die vom SNB-Angehörigen und der Finanzwacht bestand. Der Berichterstatter der Finanzwache Jan Kristek stellte sich so, dass sein Kollege nicht die Maschinenpistole zur Fluchtverhinderung von Veverkas Familie benutzen konnte. Er zog wahrscheinlich nur so sein Dienstschießgewehr von der Schulter herunter und schoss in die Richtung der fliehenden Familie, die aber bereits auf dem Bayerischen Gebiet war. Zu seiner großen Überraschung fiel nach dem Schlag Kornélie Veverková zum Boden. Sie stützte sich auch während der Flucht auf den Krücken. Ein deutscher Zollbeamter und amerikanischer Soldat kamen sofort zu ihr. Die Grenzwächter konnten die Dienstwaffen nicht mehr benutzen und JUDr. Ferdinand Veverka verschwanden mit der Familie in Bayern. Von dort zogen sie nach Frankreich um. Aufgrund dieser Flucht durchleuchteten die Ermittler der Staatssicherheit eine lange Zeit das Verhalten vom Berichterstatter der Finanzwache Jan Kristka. Sie verhafteten sogar den Automobiltransporteur Jiøí Štìpán. Er wurde von den Fluchthelfern der Familie Veverkas beschuldigt. Ihm gelang es sich zum Schluss zu verteidigen, da ihm die Zeugen bestätigten, dass er seine Passagiere zum Bahnhof fuhr und sofort zum Hotel zurückkehrte. In der Fluchtzeit befand er sich nicht mehr im diskriminierten Gebiet. JUDr. Ferdinand Veverka bekam zum Schluss dank seiner Vorkriegsarbeit beim auswärtigen Amt die Stelle vom diplomatischen und juristischen Berater des etiopischen Kaisers. Ein weiteres Opfer des Eisernen Vorhangs im Westgebiet des Böhmerwalds war František Zábøeský. Dieser Patriot kämpfte im 2. Weltkrieg als Angehöriger der Tschechoslowakischen Ostfußbataillons Nr. 11 – in Nordafrika. Nach der Verletzung, die durch eine Minenexplosion verursacht wurde, arbeitete er ab März 1943 als Radargerätoperator bei dem 311. tschechoslowakischen Bombengeschwader RAF in Grossbritanien. Er bekam mehrere hohe Staatauszeichnungen für die Verdienste bei der Nationalsozialismusbesiegung. Nach dem Ende des Krieges suchte sich das Landeskind aus Prag eine neue Wohnung und trat als Staatsverwalter in die Firma František Walleš – Export der Bijouterie aus Jablonec ein. Er arbeitete hier beim Führungsposten auch im Jahre 1948. Nach den Februarer Ereignissen entschied er sich sofort erneut zu emigrieren. Er wollte den Weg mit seiner Sekretärin und Freundin Bohumila Pøíhodová unternehmen. Diese war übrigens die Tochter vom Rat des Innenhandelministerums ÈSR – Bohumil Pøíhoda. Sie wählten als den einfachsten Weg, den in Markt Eisenstein aus, um das Schloss Debrník herum nach Bayern. Am 30. März 1948 trafen sie bei dem Übergangsversuch in der Nähe von Debrník auf eine Zweimänner Wache SNB, die aus dem Wachtmeister František Founì und Václav Sušánek bestand. Später gaben die SNB-Angehörigen eine Situationsbeschreibung, zu welcher es in der Nähe von Markt Eisenstein kam. Laut ihrer Aussage reagierte das Paar nicht auf die Aufforderung zu stoppen, František Zábøeský zog seine Waffe heraus und mit einzigen Schuss erschoss er seine Partnerin. Nachher kehrte er die Waffe gegen sich begann vor den Augen der hinzulaufenden SNB-Angehörigen Selbstmord. Es gibt sehr wenige Quellen zu diesem Fall, man kann also keine der Versionen bestätigen oder ausschließen. Die Frage, ob der Kriegsveteran tatsächlich nach so handelte, wie geschrieben wurde, oder ob das Paar von den SNB-Angehörigen, die meistens von den Anhängern des neu-kommenden Regimes erschossen wurden, bleibt wahrscheinlich für immer unbeantwortet.

Nach dem Februarer Umsturz riefen die Massen von Anhängern des neuen Regimes nicht nur in Prag Stichworte wie: „Peroutku do koutku“ (Den Peroutka in die Ecke). Ferdinand Peroutka, einer der vorderen Repräsentanten der Vorkriegsjournalistik, schätzte richtig, dass der Rausschmiss von allen Organisationen (Verein der tschechischen Journalisten, Syndikat der tschechischen Schriftsteller und weitere) und vor allem aus der Führungsposition der „Freizeitung“ leider nur der Anfang war und dass der nächste Schritt seine Verhaftung sein wird. Er entschied sich sehr schnell für die Emigration. Um nach Westböhmen zu kommen, nutzte er sein Kontaktnetzt in der Parteilinie der Staatssozialisten aus. Die Widerstandgruppe der Mitglieder und Anhänger dieser Seite in der Führung mit JUDr. Lubomír Hanák, dem ehemaligen Delegierten in ÈSR und Bayern, nannte sich im Geheimen „Pøíjdeme“ (Wir kommen) (Nach der illegalen Zeitschrift, die von ihnen herausgegeben wurde) und in der Klattauer Region hatte sie eine Verbindungsperson. Diese war der Bezirksführer Junák Jan Raiser (Pfadfinderspitzname Honák, Honimír). Um die Monatswende von März und April 1948 kamen der Prager Großhändler mit Spielzeugen, Vilém Vopršál und JUDr. Hanák mit einer Bitte zu Jan Raiser in seine ursprüngliche Fabrik in Klattau, wo er in der Beauftragtenführungsposition auch weiterhin arbeitete. Sie baten um Personenübergang nach Bayern, die sich in Prag durch das neue Regime bedroht fühlten. Zum ersten Übergang kam es am 13. April 1948, als Vilém Vopršál über die Grenze in die amerikanische Okkupationszone nach Bayern ging. In der nächsten Gruppe, die sich auf die Emigration vorbereitete, war auch Ferdinand Peroutka und acht weitere Personen einschließlich seiner Frau Marie, geb. Hulková. Der Abgangstermin wurde auf den 29. April 1948 bestimmt. Alle Gruppenmitglieder verlegten sich individuell nach Klattau, wo sie in der Wohnung von Jan Raisner, (ehemaliger Besitzer der hiesigen Marionettenherstellungsfabrik; Das Unternehmen wurde zum 1. 1. 1948 verstaatlicht, da er zum 1. 1. 1946 56 Personen einstellte), auf die Abfahrt warteten. Für die Mehrheit der Gruppenmitglieder, die sich auf den Grenzübergang vorbereitete, war die Verlegung kein Problem, doch Ferdinand Peroutka wurde in der Zeit von der Staatssicherheit beobachtet. Er fuhr aus Prag zusammen mit seiner Frau, die in dieser Zeit bereits krank war, im Schrank auf der Ladefläche eines Möbelwagens versteckt. Jan Raiser fuhr dann mit dem Auto, das ihm Vilém Vopršál übergab, alle Flüchtlinge in die Gemeinde Hamry hinter Nýrsko, wo sie der Staatsverwalter der hiesigen Holzspulenherstellung František Jandík übernahm. Der Wachtmeister Jan Brunner aus der SNB-Station in Hamry war hier als Menschenschmuggler tätig. Dieser zusammen mit weiteren Abteilungskollegen, mit dem Wachtmeister Jindøich Nìmec und František Kahoun, halfen den Neuregimegegner über die Grenze. Der Übergang in Hamry zur nichtweit-liegenden Grenze fand zu Fuß in der Nacht um die heutzutage bereits geschlossene Siedlung Zadní Chalupy statt. Peroutkas Frau Marie, die bereits in der Zeit von der Liebesaffaire seines Mannes mit der Freundin, Jaroslava Fenclová (sie hätte nach Bayern mit der nächsten Gruppe durch den gleichen Weg ein paar Tage später kommen sollen – s. weiter), seiner Tochter aus der ersten Ehe wusste, störte den ruhigen Verlauf des Gruppenübergangs. Gleich nach dem Grenzübergang fiel seine Frau mehrmals zum Boden und fing laut an, ihrem Mann seine Untreue vorzuwerfen. Damit störte sie natürlich die Nachtruhe und wären die Menschenschmuggler nicht von der Reihe der SNB-Angehörigen rekrutiert gewesen, hätten sicher Schwierigkeiten entstehen können. Es zeigte sich zum Schluss, dass in der Zeit die Staatssicherheit von der Menschenschmuggeltätigkeit der Gruppe „Pøíjdeme“ bereits wusste und Peroutkas Gruppe die letzte war, die durch diesen Kanal ins Exil kam. Bei dem nächsten Übergangsversuch der Gegner wurde die Gruppe in eine Falle gelockt und gefangen genommen.

Die Staatssicherheit setzte in die Gruppe „Pøijdeme“ einen Agenten und der benachrichtigte, dass um die Monatswende von März bis April 1948 eine Reihe der Persönlichkeiten der Erstrepublikselite und des unkomnunistischen Widerstands im 2. Weltkrieg durch diesen Weg nach Deutschland flüchten wolle. Die Angriffsvorbereitung war jedoch nicht einfach, da die Angehörigen der Staatssicherheit nicht genug Informationen hatten. Darum gelang der Übergang von Ferdinand Peroutka. Als am 1. Mai 1948 von Pilsen nach Klattau ein Auto, das von dem Universitätsstudenten Antonín Navrátil gefahren wurde (in der illegalen Organisation „Pøijedeme“ war „Petr“ sein Deckname), mit einer anderen Gruppe, in welcher zum Beispiel der Fluggeneral Karel Janoušek, Oberst Vlastimil Chrást und Oberstleutnant Jan Štìpán in gleicher Weise fuhren, wurde die Falle der StB bereits vorbereitet. Als der Wagen circa um 23 Uhr Pøeštice erreichte, wurde er von der SNB-Wache angehalten und die ganze Wagenbesatzung wurde von den Staatssicherheitangehörigen verhaftet. Während des Verhörs verriet der Student Antonín Navrátil den Klattauer Organisationskontakt und darum konnte die Razzia in Klattau vorbereitet werden. In der Wohnung von Jan Raiser versammelte sich inzwischen eine weitere Gruppe: die Sekretärin und Geliebte von Ferdinand Peroutka, nämlich Jaroslava Fenclová, Abgeordnete der verfassungsgebenden Staatsversammlung, und der Hauptorganisatore der studentischen Demonstration in Prag gegen die Vorgehensweise der kommunistischen Partei am 23. Februar 1948 – Josef Lesák mit seiner Frau und drei kleinen Kindern, JUDr. Lubomír Hanák mit seiner Frau Soòa, der ehemalige Direktor der Freien Zeitungen Dr. Miloš Jiránek mit seiner Frau Eva, Vilém Slivka, Lubor Sivka, Zdena Sivková und der ehemalige Jurastudent Václav Skýpal, der nach den Ereignissen in Februar nicht mehr studieren konnte.

Da die Gruppe sehr groß war, entschied sich der nichtsahnende Jan Raiser die Gruppe in zwei kleinere Gruppen aufzuteilen und in zwei Autos nach Hamry zu fahren. Doch als sie durch das Städtchen Janovice nad Ühlavou in Richtung nach Nýrsko fuhren, wurde über die Straße hinter der Kurve in der Nähe von Starý Láz eine Sperre in Form von zwei quer gestellten Autos vorbereitet. Ein weiteres Auto und Motorrad, dessen Fahrer die Maschinenpistole zog, blockierte den Fliehenden von hinten den Weg. So endete einer der Wege, der von den Regimegegnern, die auf dem Weg nach Westen waren, genutzt wurde. Jan Raiser hatte übrigens am Tag seiner Verhaftung seinen 20. Geburtstag. Den StB-Angehörigen gelang es mithilfe der Verhöre der aufgehaltenen Personen die Namen der weiteren Mitarbeiter zu erhalten. Schrittweise kamen im Laufe des Mais die Angehörigen der SNB-Abteilung in Hamry ins Gefängnis – Jan Brunner, Wachtmeister Jindøich Nìmec, František Kahoun und der Staatsverwalter František Jandík. Manche angehaltenen Personen, z. B. Jaroslava Fenclová, wurden nach ein paar Tagen freigelassen, doch sie mussten sich regelmäßig bei StB melden. Die Präsidentenamnestie von 19. Juni 1948 bezog sich auf weitere Personen (z. B. Jan Raiser) und so gingen sie nach ein paar Wochen nach Hause. Dagegen trafen die harten Straffen die Dreiergruppe der SNB-Angehörigen von der Abteilung in Hamry. Der Wachtmeister Jan Brunner wurde vor Gericht für neun Jahre ins Gefängnis geschickt und seine zwei Kollegen für sechs Jahre. Es gelang Jan Raiser zum Schluss Mitte September mithilfe weiterer Klattauer Pfadfinder Vladimír Bláha (mit dem Decknamen „Dráèek“ – kleiner Drachen), Josef Kopecký und Staatsstraßenarbeiter Josef Kvíèala aus Hùrka bei Prášili zu emigrieren. Zusammen mit ihm flüchtete auch der Slowake Vladimír Balejka (Pfadfinderdeckname „Fakír“). Die Verlobte von Ferdinand Peroutka, Jaroslava Fenclová, kam auch zum Schluss im Oktober 1948 ins Ausland und das sogar auf legalem Wege. Sie heiratete den britischen Staatsangehörigen Cecil Dee und bekam die britische Staatsangehörigkeit. Dadurch konnte sie mit ihrem Mann nach London fahren, wo sie sich mit Ferdinand Peroutka traf. Am schlimmsten wurde von den Verhafteten die Familie von Josef Leák getroffen. Die Ermittler untersagten seiner Frau das zweimonatealte Kind zu stillen. Dieses weinte vor lauter Hunger so stark, bis es sich einen Baucheingeweidebruch zuzog und nach ein paar Tagen starb. Josef Lesák wurde vor Gericht für ein Jahr ins Gefängnis geschickt.

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