4 – Burg Kašperk

Burg Kašperk in der Zeit des Goldsteigs- und Goldweges

Die Gründung der Burg Kašperk häng direkt mit den bedeutungsvollen mittelalterlichen Straßen zusammen. Der Befehl eine neue Königsburg zu erbauen, wurde von dem tschechischen König und römischen Kaiser Karel IV im Jahre 1356 herausgegeben. Es handelte sich um eine Grenzwachenburg, die die Umgebung von Böhmerwald schützen sollte. Die Burg stellte auch den Schutz für die goldbringende Bergreichensteiner Region und ihre Umgebung, Oberer Böhmerwald eingeschloßen, dar. Die Burgangestellten sollten auch die zwei damals neuerbauten Handelwege, Goldsteig und Goldweg, bewachen. Beide führten aus Bergreichenstein bis nach Passau, einer durch das Gebiet des Passauer Bistums und der zweite durch das Gebiet des bayerischen Herzogtums.

Ein weiterer Burgbaugrund war die Notwendigkeit einer Königsmachtstütze und Königsverwaltung in Südwest-Böhmen. Nur die Königsbeamten mit den höchsten Funktionen wurden so auf der Burg angesiedelt. Dies ist höchstwahrscheinlich der Grund für die Errichtung der großen und repräsentativen Räume und Kemenaten für ein angenehmes Wohnen. So konnten hier die Beamten auch mit ihren Familien wohnen. Erst im Jahre 1409 erhielt der Burgbesitzer den Titel des s. g. „poprávce“ (Rechtsüberprüfer). Dieser schaute, ob alles und alle Leute rechtlich gut handeln.

Die Burg Kašperk und seine Besitzer hatten ein persönliches Interesse am Goldsteig- und Goldwegbetrieb und der Prosperität, da ihnen von den pflichtig gezahlten Zoll- und Mietgebühren auch ein gewisser Geldanteil zukam.

Die älteste Darstellung der Burg Kašperk von F. A. Heber aus dem Jahre 1844
Umgebung, Natur, Persönlichkeiten, Ereignisse

Die Burg Kašperk ist mit seiner Höhe über dem Meerespiegel von 886 Metern unsere höchst-liegende Königsburg. Fast vollständig wurde sie aus dem hiesigen Stein, bezeichnet als „Leptyt“ erbaut. Dieser befindet sich nur auf der Burg und in ihrer Umgebung. Heutzutage befindet sich die Burg Kašperk in einer sehr schönen Landschaft des Naturparks „Bergreichensteiner Hügelland“. Ihre Türme bieten eine einzigartige Aussicht auf den Böhmerwald und die umliegende Landschaft.

In der Burgnähe, am Fuße des Schlossgipfels, befinden sich die Burgbefestigungsruinen. S. g. „ Leere Burg“ (schaut im Wald aus unserer Sicht an der rechten Seite der Burg heraus) bietet neben den schönen Aussichten auf den Böhmerwald auch einen einzigartigen Blick auf die Burg Kašperk.

Der erste Verpfändungsbesitzer der Burg Kašperk wurde im Jahre 1379 nach dem Tod des Karel IV. der Reichsgesandter des Stammes Lucemburk, nämlich Johann von Leuchtenberg. Noch als Karel IV. lebte, erbaute er de facto eine Goldsteigkonkurrenz - den s. g. Goldweg. Dieser Handelsweg wurde nach Passau über das Gebiet des bayerischen Herzogtums errichtet. Er initiierte bei Karel IV. die Beförderung der Siedlungen Hals und Grafenau zu Städten und schloss sie an den Handel mit Böhmen an.
Blick auf die Burg Kašperk von Südost, circa Jahr 1905
Nach dem Goldsteig- und Goldwegverfall

Als die Bergreichensteiner Goldgruben zum Ende der Goldförderung kamen und der Handel auf dem Goldweg und Goldsteig verfiel, fing auch die Bedeutung der Burg Kašperk langsam zu verfallen. Das Herrschaftsgut wurde seit den 80er Jahren des 16. Jahrhunderts langsam verkauft, die Burg wurde baufällig. Im Jahre 1617 kaufte schlussendlich die Stadt Bergreichenstein die verkommene Burg, auch mit dem Rest des Herrschaftsgutes, von der Königskammer. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist die Burg ein beliebtes Tourismusziel.
Burg Kašperk aus dem Blickwinkel der „Leeren Burg“, P. Ouøedník

Mapa