11 – Kvilda / Werkstatt der Hinterglasmalerei
Bilder mit der Heiligendarstellung, welche mithilfe der Hinterglasmalerei entstanden sind, war es möglich an der Wand in jedem (nicht nur) Böhmerwalder Bauerhof zu erblicken. Gerade der Böhmerwald und das Riesengebirge gehörten zu den Regionen der Tschechischen Länder, wo diese Art am verbreitetsten war und zwar schon seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die älteste tschechische Erwähnung vom Glasbläser Václav z Klatov geht bis zum Jahre 1390 zurück. Dei Glasmalereitechnik ist aber selbstverständlich viel älter – ihre Wurzeln gehen bis in die Antike zurück und im Laufe des Mittelalters wurde sie vor allem in den Venediger Glasbläsereien verbessert. Mehrere Faktoren trugen zur Hinterglasmalereientwicklung im Böhmerwald bei – erstens die einfache Zugänglichkeit zu billigem Tafelglas, das man direkt in den Böhmerwalder Glasbläsereien herstellte; zweitens die Berglebensbedingungen, wo die harten Wintern dazu führten, dass die Böhmerwalder Einwohner gezwungen waren, den Großteil des Jahres im Haus zu verbringen und so war die Hinterglasmalerei eine optimale Zuverdienstmöglichkeit; die Tatsache, dass das Glasschmücken eine technisch unschwere Methode war, war der dritte Grund – die Farbe trocknet an der Luft und das Glas schützt sie vor Außeneinflüssen. Es ist also nicht mehr nötig, sie weiter zu behandeln. Der Schöpfer konnte die Schablonen, nach welchen die Hinterglasmalereikonturen gezeichnet waren, entweder selbst malen oder sie waren das Werk von professionellen Malern. Es bedarf für die Herstellung von Hinterglasmalerei wenigstens ein bisschen Gewandtheit. Die künstlerische Begabung war nicht immer nötig. In den Glasbläserfamilien, die in den Glashüttenwerken arbeiteten, erbte man diesen Beruf üblich. Die Kinder lernten die Hinterglasmalereitechnik bereits in frühem Alter. Es war möglich die Hinterglasmalereien sogar auf leicht fehlerhaften Glastafeln zu malen. Man benutzte zur Hinterglasmalerei Öl- und Temperafarben. Die Tafel wurde erst mit Seifenwasser oder mit Terpentin abgewaschen, um die oberflächlichen Unreinheiten und Fett zu entfernen. Diese hätten die Farbglashaftung verhindern können. Nachdem diese trocken wurden, legte man die Schablonen auf sie. Der Maler zeichnete erst von der Schablone mithilfe eines kleinen Pinsels die Konturen des zukünftigen Werkes nach. Diese speziellen Pinselchen stellte man meistens aus Eichhörnchen- oder Maderfell her. Das Hinterglasmalereiverfahren wird genau umgekehrt als bei der herkömmlichen Malerei ausgeübt – man geht von dem vorderen Plan zum Hinteren, von den Details zu größeren Flächen. Der Maler malt auf das Glas direkt das, was „oben“ sein wird. Die Details wie Schatten, Röte, Augen, Nägel Draperieschatten und –Details und Textilmuster kommen nach der Reihe, nämlich erst nach den Konturen. Als letztes malte man größere farbige Flächen und den Hintergrund. Was die Distribution von heiligen Bildern betrifft, wurde ein deutlicher Teil ins Ausland exportiert, vor allem in die anderen Teile der Habsburger Monarchie oder nach Deutschland. Ein Teil wurde ebenfalls an den Jahresmärkten oder Festen verkauft und der Rest verkauften die Hausierhändler, s. g. „Häusermänner“ oder „Kraxenmänner“ je nach der Größe des Gepäcks in welchem sie die Bilder transportierten. Hinterglasmalereimotive, die am häufigsten vorkamen, waren natürlich die Heiligen, besonders beliebt waren die Bilder der Jungfrau Maria (ob als Madonna oder Pietät), Jesus Christus, Abendmahl Jesu, Heiliger Geist, Heiliger Václav und hiesige Patronen oder Patronen der Familienmitglieder. Ein Bild, das einen Heiligen darstellte war damals für die Volksschichten wichtiger, als wir uns das heute vorstellen können – es war ein symbolischer Vermittler zwischen der irdischen und himmlischen Sphäre; zwischen dem betenden Menschen und dem Heiligen, welcher für ihn eine Fürbitte einlegen sollte. Die heiligen Bilder hing man immer an einen besonderen Platz im Raum auf – entweder an die Spitze des Esstisches oder in die s. g. Heilige Ecke (Ecke im Raum, üblicherweise gegenüber vom Ofen). Leute, die im Haus wohnten, beteten hier ob einzeln oder zusammen, bei üblichen und auch feierlichen Gelegenheiten, im Fall einer ernsten Krankheit in der Familie führte hier der Priester die Gebete für die Sterbenden aus oder er bereitete sich für die letzte Salbung vor.
Aber zurück zu Kvilda. Die Hinterglasmalereibildungstradition geht in diesem Fall sicher bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zurück, als sich hier die Maler Johann Kašpar aus Kreuzberg und die Brüder Johann und Bernard Peterhansel von Raimundsreuth ansiedelten. Die Hinterglasmalereien, die in dieser Zeit in Kvilda entstanden, weisen auf die Merkmale des Raimundsreuther Stiles hin, wie zum Beispiel strahlende Farbigkeit, häufige Goldfarbennutzung und schwarze Umrisse von Körperteilen. Der älteste erhaltene Nachweis über Glasmalerei ist der Bankverwaltungsbericht des Tschechischen Guberniums von 7. 9. 1798, der über das Zollamt in Kvilda berichtet, wo man die heiligen Bilder, die nach Österreich fuhren, verzollte. Es ergibt sich tatsächlich aus den Schlussfolgerungen des Klattauer Inspektorats, dass die Malereien direkt in Kvilda auf dem billigen fehlerhaften Tafelglas bereits zehn Jahre, d. h. circa seit dem Jahr 1788 unter den Händen von den drei oben-aufgeführten Fremden, entstanden. Es gelang ihnen in der Zeit dieser Periode die Hinterglasmalereien insgesamt für 9996 Goldene und 31 Kronen ins Ausland auszufahren, davon wurde in die Staatskasse nur der Exportzoll bezahlt d. h. keine Steuern von der Gewerbetätigkeit. Der Fall wurde deswegen zur Überprüfung an das obengenannte Amt des Prachenauer Kreises weitergeleitet, wo die Maler vernahmen wurden. Das Amt erlaubte ihnen zum Schluss die Gewerbebetreibung (sie sicherte nämlich die Abnahme des sonst unverkaufbaren fehlerhaften Tafelglasses der hiesigen Gläser) unter der Bedingung, dass sie den dauerhaften Wohnort nach Böhmen ändern und gewisse Steuern dem Staat abgaben. Alle drei zogen also dauerhaft nach Kvilda um. In den Verzeichnissen der Kvildauer Einwohner von 1799, 1800 und 1801 wird aber keiner von ihnen genannt. Man kann vermuten, dass sie bald mit dem Gewerbe aufhörten. Vielleicht gingen sie zurück ins heimatliche Bayern zurück.
Der Anfang der nächsten Etape der Kvildauer Hinterglasmalereien geht in das erste Viertel des 19. Jahrhunderts zurück und hängt mit der Person von Michael Verderbera zusammen. Das Landeskind aus Krain (heute ein Teil von Slowenien) heiratete im Jahre 1792 Dorothea Schuster aus Kvilda und zwischen 1799 und 1803 war hier als Aufpasser der Waldverwaltung des Velkozdíkovský-Landbesitzes tätig. Man weiß nicht so viel von seinem Leben nach dem Weggehen aus Kvilda. Man trifft auf diese Familie erst in den Dokumenten aus dem Jahr 1818 in Plánì. Michael und sein fünfundzwanzigjähriger Sohn Johann lernten in der hiesigen Glasbläserei die Hinterglasmalereigrundlagen. Das nächste Jahr wohnten sie bereits direkt in Kvilda im Haus Nummer 9. Dieses bekam als Mitgift die Jungverheiratete Johanna Schuster, welche im gleichen Jahr ihren Sohn František zur Welt brachte. In dieses Jahr hielt auch die Hinterglasmalereiwerkstattgründung, welche von beiden Verderbera bis in das Jahr 1829 zusammen betrieben wurde. Seit diesem Jahr besaß Johann die Werkstatt alleine. Die Firma prosperierte – Dank ausgezeichneter Führung, Organisation und Arbeitverteilung war die Werkstatt in der Zeit ihres größten Umsatzes fähig jährlich bis zu 30-40 Tausend Hinterglasmalereien herzustellen. Insgesamt arbeiteten hier zehn bis fünfzehn Arbeiter, einschließlich zum Beispiel die Farbrührer und Rahmenmacher. Die Bilder wurden in die ganze Habsburger Monarchie gefahren, man verkaufte sie auf Jahrmärkten, Märkten und Festen in Tschechien oder man distribuierte sie mithilfe der Hausierhändler. „Gefilder Bildmaler“ wurde wirklich zu einem Begriff und einer Qualitätsgarantie. Die ursprüngliche Werkstattskapazität reichte langsam für den Herstellungsumfang nicht mehr und deswegen kaufte Johann im Jahre 1842 ein Kvildauer Haus Nummer 14. Dieses war ursprünglich eine Bauernhofsiedlung, wo er im ersten Stock die Werkstatt und im Erdgeschoss eine berühmte Gaststätte betrieb. Ein Jahr später, im Jahre 1843, starb Michael Verderbera im Alter von 75 Jahren. Ein ähnliches für die damalige Zeit ehrwürdiges Alter erreichte auch sein Sohn, der mit 78 Jahren im Jahre 1870 starb.
Der erstgeborene Sohn von Johann Verderber, nähmlich František, setzte die Familientradition weiter fort. Er erbte neben den Immobilien auch ein beträchtliches Geldvermögen nach seinem Vater. Er hatte Erfolg und es bedrohten ihn nicht mal die billigen und zwischen den Leuten immer populäreren Farbdrucke.
Man sollte auch den langfristigen Mitarbeiter der Familie Verderber, den Konturenzeichner Johann Praschl erwähnen.
Das Feuer brannte wegen ihm die ganze Verderbers Werkstatt am 11. Mai 1881 nieder und bedeutete einen Schicksalsschlag für das erfolgreiche Kvildauer Unternehmen. Es handelte sich wahrscheinlich nicht um einen Zufall, aber um einen Brand den ein Vagabund vollführt hatte. František Verderber versuchte die Herstellung zu erneuern, doch dies gelang ihm nicht – es fehlte die technische Ausrüstung und die Muster. Noch dazu machte er mit dem Hausausbau viele Schulden. Sein Vermögen wurde zur Versteigerung gebracht. Gabriel Schuster, der Schwiegersohn vom oben genannten Johann Praschl kauftete dieses für 5170 Goldene. Doch auch er erneuerte die Produktion nicht. Er setzte nur mit der Gastättenbetreibung im Erdgeschoss des Bauerhofs fort (dieser stand bis 1997 – in diesem Jahr wurde er abgerissen und mit dem Gebäude des Informationszentrums und der Waldverwaltung des Nationalparks Böhmerwald ersetzt). Sein Schwiegervater Praschl widmete sich noch eine gewisse Zeit der Glasmalerei, aber nicht mehr im Kvildauer Stil.
Aber zurück zu Kvilda. Die Hinterglasmalereibildungstradition geht in diesem Fall sicher bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zurück, als sich hier die Maler Johann Kašpar aus Kreuzberg und die Brüder Johann und Bernard Peterhansel von Raimundsreuth ansiedelten. Die Hinterglasmalereien, die in dieser Zeit in Kvilda entstanden, weisen auf die Merkmale des Raimundsreuther Stiles hin, wie zum Beispiel strahlende Farbigkeit, häufige Goldfarbennutzung und schwarze Umrisse von Körperteilen. Der älteste erhaltene Nachweis über Glasmalerei ist der Bankverwaltungsbericht des Tschechischen Guberniums von 7. 9. 1798, der über das Zollamt in Kvilda berichtet, wo man die heiligen Bilder, die nach Österreich fuhren, verzollte. Es ergibt sich tatsächlich aus den Schlussfolgerungen des Klattauer Inspektorats, dass die Malereien direkt in Kvilda auf dem billigen fehlerhaften Tafelglas bereits zehn Jahre, d. h. circa seit dem Jahr 1788 unter den Händen von den drei oben-aufgeführten Fremden, entstanden. Es gelang ihnen in der Zeit dieser Periode die Hinterglasmalereien insgesamt für 9996 Goldene und 31 Kronen ins Ausland auszufahren, davon wurde in die Staatskasse nur der Exportzoll bezahlt d. h. keine Steuern von der Gewerbetätigkeit. Der Fall wurde deswegen zur Überprüfung an das obengenannte Amt des Prachenauer Kreises weitergeleitet, wo die Maler vernahmen wurden. Das Amt erlaubte ihnen zum Schluss die Gewerbebetreibung (sie sicherte nämlich die Abnahme des sonst unverkaufbaren fehlerhaften Tafelglasses der hiesigen Gläser) unter der Bedingung, dass sie den dauerhaften Wohnort nach Böhmen ändern und gewisse Steuern dem Staat abgaben. Alle drei zogen also dauerhaft nach Kvilda um. In den Verzeichnissen der Kvildauer Einwohner von 1799, 1800 und 1801 wird aber keiner von ihnen genannt. Man kann vermuten, dass sie bald mit dem Gewerbe aufhörten. Vielleicht gingen sie zurück ins heimatliche Bayern zurück.
Der Anfang der nächsten Etape der Kvildauer Hinterglasmalereien geht in das erste Viertel des 19. Jahrhunderts zurück und hängt mit der Person von Michael Verderbera zusammen. Das Landeskind aus Krain (heute ein Teil von Slowenien) heiratete im Jahre 1792 Dorothea Schuster aus Kvilda und zwischen 1799 und 1803 war hier als Aufpasser der Waldverwaltung des Velkozdíkovský-Landbesitzes tätig. Man weiß nicht so viel von seinem Leben nach dem Weggehen aus Kvilda. Man trifft auf diese Familie erst in den Dokumenten aus dem Jahr 1818 in Plánì. Michael und sein fünfundzwanzigjähriger Sohn Johann lernten in der hiesigen Glasbläserei die Hinterglasmalereigrundlagen. Das nächste Jahr wohnten sie bereits direkt in Kvilda im Haus Nummer 9. Dieses bekam als Mitgift die Jungverheiratete Johanna Schuster, welche im gleichen Jahr ihren Sohn František zur Welt brachte. In dieses Jahr hielt auch die Hinterglasmalereiwerkstattgründung, welche von beiden Verderbera bis in das Jahr 1829 zusammen betrieben wurde. Seit diesem Jahr besaß Johann die Werkstatt alleine. Die Firma prosperierte – Dank ausgezeichneter Führung, Organisation und Arbeitverteilung war die Werkstatt in der Zeit ihres größten Umsatzes fähig jährlich bis zu 30-40 Tausend Hinterglasmalereien herzustellen. Insgesamt arbeiteten hier zehn bis fünfzehn Arbeiter, einschließlich zum Beispiel die Farbrührer und Rahmenmacher. Die Bilder wurden in die ganze Habsburger Monarchie gefahren, man verkaufte sie auf Jahrmärkten, Märkten und Festen in Tschechien oder man distribuierte sie mithilfe der Hausierhändler. „Gefilder Bildmaler“ wurde wirklich zu einem Begriff und einer Qualitätsgarantie. Die ursprüngliche Werkstattskapazität reichte langsam für den Herstellungsumfang nicht mehr und deswegen kaufte Johann im Jahre 1842 ein Kvildauer Haus Nummer 14. Dieses war ursprünglich eine Bauernhofsiedlung, wo er im ersten Stock die Werkstatt und im Erdgeschoss eine berühmte Gaststätte betrieb. Ein Jahr später, im Jahre 1843, starb Michael Verderbera im Alter von 75 Jahren. Ein ähnliches für die damalige Zeit ehrwürdiges Alter erreichte auch sein Sohn, der mit 78 Jahren im Jahre 1870 starb.
Der erstgeborene Sohn von Johann Verderber, nähmlich František, setzte die Familientradition weiter fort. Er erbte neben den Immobilien auch ein beträchtliches Geldvermögen nach seinem Vater. Er hatte Erfolg und es bedrohten ihn nicht mal die billigen und zwischen den Leuten immer populäreren Farbdrucke.
Man sollte auch den langfristigen Mitarbeiter der Familie Verderber, den Konturenzeichner Johann Praschl erwähnen.
Das Feuer brannte wegen ihm die ganze Verderbers Werkstatt am 11. Mai 1881 nieder und bedeutete einen Schicksalsschlag für das erfolgreiche Kvildauer Unternehmen. Es handelte sich wahrscheinlich nicht um einen Zufall, aber um einen Brand den ein Vagabund vollführt hatte. František Verderber versuchte die Herstellung zu erneuern, doch dies gelang ihm nicht – es fehlte die technische Ausrüstung und die Muster. Noch dazu machte er mit dem Hausausbau viele Schulden. Sein Vermögen wurde zur Versteigerung gebracht. Gabriel Schuster, der Schwiegersohn vom oben genannten Johann Praschl kauftete dieses für 5170 Goldene. Doch auch er erneuerte die Produktion nicht. Er setzte nur mit der Gastättenbetreibung im Erdgeschoss des Bauerhofs fort (dieser stand bis 1997 – in diesem Jahr wurde er abgerissen und mit dem Gebäude des Informationszentrums und der Waldverwaltung des Nationalparks Böhmerwald ersetzt). Sein Schwiegervater Praschl widmete sich noch eine gewisse Zeit der Glasmalerei, aber nicht mehr im Kvildauer Stil.
